Ein Freund wies mich auf einen Artikel auf SpOn hin:
Hartz IV Computer: Ich schenk dir das Tor zur Welt.
Es geht darum, daß zwei Hartz IV Empfänger aus gebrauchten Teilen Rechner für andere Hartz IV Empfänger zusammenschrauben und einen Verein gegründet haben.
Ich finde diese Aktion großartig. Erlaubt ist sie dennoch nicht, und gewünscht ist es wohl auch nicht.
Ich bin wieder mal wütend.
Die Aktion der beiden Beschriebenen ist natürlich (?) nicht erlaubt. Man muß Vollzeit arbeitssuchend sein und darf offiziell keine ehrenamtlichen Tätigkeiten ausführen, selbst wenn das die Arbeitssuche nicht behindert. Offenbar überreißt niemand, wieviel Engagement hier auf der Strecke bleibt, ganz abgesehen davon daß Arbeitgeber sicher lieber jemanden einstellen der seine Arbeitslosigkeit nicht dumpf vor dem DVD Player verbracht hat.
Was mich noch wütender macht ist der Satz "ein Haushalt lasse sich ohne Probleme ohne einen PC führen. Zur Grundversorgung mit Informationen reichten Fernseher und Radios."
Ich denk immer man soll sich bewerben? Wie macht man das heute adäquat ohne Computer, selbst wenn man sich auf Papier und nicht online bewirbt?
Ich bin wieder mal sprachlos, wie engstirnig Ämter sein können. Wie kleinkariert und wie spiessig und wie man die Wirklichkeit dermaßen ausblenden kann. Wir lassen die Hartz IV Empfänger nicht nur nie wieder in anständige Arbeit, die ihnen erlaubt ihr Leben selber zu erarbeiten, nein, wir verdummen sie noch zusätzlich, indem wir sie von den aktuell normalen Informationsquellen abschneiden. Als ob wir mit "bildungsfernen Schichten" nicht ohnehin schon ein Problem hätten.
Plan: den genauen Verein rausfinden, spenden.
Zum "Informieren" werden die primitiven MS-Daddelkisten doch nicht genutzt, Pappi guckt seine Pornos und die Strazen tunen das Teil und ballern "Ego-shooter".
So ein Unterschicht-Entertainmentsystem braucht zudem jede Menge Strom. Naja, egal, wo doch, UND JA, ich habe das in Berlin erlebt, Sarrazin weiß, wovon er spricht, winters die Raumtemperatur mit dem Fenster geregelt wird.
Wer soll denn die Kosten für den Internetzugang bezahlen ? Denn was so ein richtiger Hartzer ist, der braucht mindestens 5 MB/s Downstream - wegen seiner illegalen Tauschbörsenaktivitäten.
Du hast doch sicherlich eine Vorstellung davon, was die tausendfach installierten Router, DSLAMs und Switches an Strom und Infrastruktur brauchen ?
Das muß doch nicht sein, nur weil der moderne Kommunikationsprolet Youtoube gucken will.
Es muß auch nicht sein, daß ein Hartzer ein Mobiltelephon hat.
Und keiner will den Hartzer von irgendwas "abschneiden": Er kann ja arbeiten und sich einen Porno-Shooter kaufen. Und ein Mobiltelephon. Und einen Panoramafernseher.
Solange man dem "Prekariat" weiter Zucker in den Arsch bläst, solange wird eine fatale Entwicklung anhalten: Spätestens in 10 Jahren haben wir 20% Asoziale. Viel Spaß damit, ein Ausflug nach Berlin-Neukölln könnte einen Vorgeschmack vermitteln.
Gruß Hans
Und ich möcht auch mal die Schulkinder auf Hartz IV ohne Rechner und Internet sehen. Wir ziehen uns ja eh die nexte Generation Arbeitsloser ran. uns gehörts ja nich anders.
Und Hans, es muss ja kein schnelles Netz sein. Entweder wollen wir gesellschaftliche Teilhabe und wuerdiges Leben, oder wir wollen das nicht. Wenn wir das nicht wollen, dann brauchen wir aber auch keine Fernseher zu schuetzen. Und diese rape-view-Geschichte erscheint mir da als Argument auch eigenartig -- einerseits sind wir dagegen, andererseits treiben wir Menschen mit struktureller Gewalt in diese Unterhaltsmoeglichkeiten? Und auf Konsumentenseite ist es ploetzlich moralisch, wenn jemand eigenes Geld dafuer hat?
Europa muss sich langsam mal entscheiden, ob fuer ein soziales Modell (Recht auf Wohnraum, Netz, Essen, Medizin, Kleidung, Strom; mit Gesetzen gegen Organhandel, Prostitution (schwedisches Modell), Volksverhetzung, Pornographie, usw.) Wille und Geld reichen, oder ob es ein "Wenn jeder an sich selbst denkt, ist an alle gedacht"-Modell sein soll, mit weniger Steuern und weniger Gesetzen und mehr Vertragsfreiheit, Eigenverantwortung, und guns.
Um kann ich mit beidem, aber dieses unaufrichtige Stueckwerk kostet notlos CPU.
Ein Computer in Deiner Hand ist ein ganz anderes Werkzeug als einer in den Händen der Chekker-Degeneration. Was würdest Du denn sagen, wenn Dir jemand die gesammelten "Mario Barth"- und "RTL II Frauentausch" - CDs schenkte ?
In die hungrigen Mägen Eingang finden
nur Wurstargumente mit Knödelgründen.
Ein Rinderbraten, braun gesotten,
behaget den radikalen Rotten
viel besser als ein Mirabeau
und alle Redner seit Cicero.
Wir wollen alle gesellschaftliche Teilhabe und würdiges Leben, aber das klappt nur, wenn man es sich selbst einrichtet. Alles in den Arsch geblasen zu bekommen ist unwürdig, ich weiß das aus eigener und ausgesprochen bitterer Erfahrung.
Ich wäre an vorderster Front für Verbesserung der sozialen Leistungen, wenn deren Empfänger dadurch glücklicher würden, aber das genaue Gegenteil, so mein Eindruck, ist der Fall.
Wem nützen wir also ?
Aber danke, Du bringst es auf den Punkt:
Wir müssen uns wirklich für eines der von Dir kurz skizzierten Modelle entscheiden, denn die Mischung ist ebenso verlogen wie ineffektiv.
Gruß Hans