Im Trottwar (Stuttgarter Straßenzeitung) ist diesen Monat u.a. auch ein Artikel mit dem Titel "Bildung kostet viel, Unbildung noch mehr". Ja, das stimmt. Der Artikel greift auf, daß Grundschulkinder ihre Empfehlung für die weiterführende Schule immer noch stark nach dem Bildungsstand ihrer Eltern erhalten, selbst wenn die Leistungen gut sind. Meinem Gefühl nach (und auch den Erzählungen einiger Freunde nach, die älter sind als ich) war dies noch vor 30 Jahren nicht so dramatisch und ein sozialer Aufstieg durch Bildung möglich.
Was könnte dagegen helfen? Ich meine, Lehrer sind natürlich auch Menschen, einer hohen Belastung und Verantwortung ausgesetzt und natürlich nicht komplett objektiv. Was wäre aber mit einheitlichen Bildungsstandards und Tests? Ja, dagegen steht der Föderalismus. Nie war er so fehl am Platze, wie in der Bildung.
Und natürlich ist diese frühe Selektion das Grauen in Tüten. Wieso schauen wir nicht einmal zu unseren Nachbarn? Niemand außer Österreich und Deutschland leistet sich noch dieses unsinnige dreigliederige System, in dem die Kinder nach der 4. (in einigen Bundesländern nach der 6.) Klasse einen Stempel aufgedrückt bekommen und schön in Schubladen sortiert werden.
Wovor haben wir eigentlich Angst, wenn alle zusammen lernen und vielleicht sogar die Schwächeren durch die Besseren unterstützt werden (oder zumindest dazu angehalten wird)? Daß die guten Schüler auf der Strecke bleiben? Erstens wird sich ein wißbegieriger Jugendlicher sich schon selbst helfen, wenn man ihm die Mittel zugänglich macht, und ich sage ja auch nicht, daß es nicht extra-Kurse und Förderung geben darf. Aber wir sollten den Kindern erstmal die Gelegenheit geben, sich zu entwickeln.
Unbildung kostet. Nicht jedes Kind hat von zuhause aus einen guten Start und die Schule als Wissensvermittlung ist ganz sicher nicht in der Lage, Erziehungs- oder sprachliche Lücken innerhalb des normalen Unterrichts zu schließen. Aber jede/r Jugendliche, der/die ohne Abschluß oder ohne die Fähigkeit zu einer Ausbildung die Schule verläßt, kostet den Staat und damit den Steuerzahler Geld. Weiterhin ist es auch entwürdigend, von der Jugend an auf Staatshilfe angewiesen zu sein und nicht auf eigenen Beinen stehen zu können. Es ist nicht verwunderlich, daß die Frustration irgendwann so groß wird, daß man aus dieser Situation einfach nicht mehr herauskommt. Es traut einem ja eh niemand mehr etwas zu. Und man kennt es ja von zuhause auch nicht anders. Eigentlich bräuchten diese Kinder Paten, die sie wenigstens einmal die Woche aus ihrer Umgebung herausholen und ihnen ein normales Leben mit Erwerbstätigkeit vor Augen führen. Die zeigen, daß man Kleidung und Nahrung im Laden kauft und nicht bei den Tafeln und den Kleiderkammern holen muß.
Besonders pervers wird es aber, wenn in der Hauptschule folgendermaßen "aufs Leben" vorbereitet wird: dort wird das Ausfüllen des Hartz IV-Antrages geübt.




> sich schon selbst helfen, wenn man ihm die Mittel
> zugänglich macht,
Vorsicht. So einfach ist es nicht. Man kann nicht einfach die (Hoch-)Begabten machen lassen, das fühlt sich nämlich wie ignorieren an. Es sind nämlich weiterhin nur Kinder, die auch Ansprache haben wollen, statt sich selbst überlassen zu werden.
Nicht schön für ein Kind, wenn es sich nicht mehr meldet, weil es ja eh nie drangenommen wird mit dem Argument "ist ja klar, du weißt das ja eh alles".
Auch nicht schön, wenn es sein Lesebuch in den ersten 3 Tagen des Schuljahres durchgelesen hat udn sich dann nur noch ödet, wenn für die Leistungsschwächeren alles dreimal wiederholt wird.
Dann bekommt man Aufmerksamkeit nur noch durch Ärger machen.
> und ich sage ja auch nicht, daß es nicht
> extra-Kurse und Förderung geben darf.
Die sollte es unbedingt geben.
Ich spreche von der großen Masse der Normalbegabten in all ihren Facetten.