Wie Ihr ja sicher mitbekommen habt wenn Ihr die Tagespresse und/oder die Nachrichten einigermaßen regelmäßig verfolgt, wurde der Regisseur Roman Polanski im September 2009 in der Schweiz verhaftet und zuerst in Auslieferungshaft genommen und darf nunmehr in Hausarrest mit Fußfessel verbleiben.
Zugrunde liegt eine Tat, die nunmehr 33 Jahre zurückliegt. Die Umstände beschreibt der
Spiegel in dieser Woche.
Ich sehe in der Verhaftung und der Inhaftierung Polanskis keinen Sinn,
Bin ich gegen die Ahndung von Vergewaltigungen an Minderjährigen? Nein. Allerdings ist nichtmal geklärt ob es sich um eine Vergewaltigung handelte. Weiterhin hat selbst das Opfer inzwischen eine Petition angestrengt, die die Beendigung der Verfolgung zum Ziel hat.
Bin ich gegen das Wegsperren von Straftätern? Nein. Gewaltverbrecher, von denen eine Gefahr für die Allgemeinheit ausgeht, sollten in der Tat inhaftiert werden. Das sehe ich bei Polanski nicht gegeben. In den letzten 33 Jahren gab es keine Anhaltspunkte, daß er wieder Minderjährige als Partnerin haben will. Was hätte also die Gesellschaft des Landes, in dem er lebt, von einer Inhaftierung? Das Ganze hat also etwas Prinzipielles.
Ich bin im übrigen auch bei Wirtschaftskriminellen nicht für Inhaftierung (das kostet nur den Steuerzahler), sondern für Berufsverbot und gemeinnützige Arbeit.
Bin ich für einen Prominentenbonus? Nein. Aber gerade sein Bekanntheitsgrad macht einen fairen Prozess ohnehin total unmöglich. Ich verstehe ja das amerikanische Rechtssystem zu wenig (ich versteh ja nichtmal unser eigenes), aber meiner Meinung nach hätte ein Urteil auch in Abwesenheit gesprochen werden können.
Weiterhin glaube ich auch, daß es zumindest hier in .de möglich ist, auch Urteile zu sprechen und dann von der Aussetzung der Strafe abzusehen (z.B. im Alters- oder Krankheitsfall).
Also: Was für ein haarsträubender Unsinn läuft da eigentlich gerade ab und was hat die Schweiz dazu getrieben, Polanski jahrelang ein- und ausreisen zu lassen und gerade jetzt zickig zu werden? Und da wundert sich noch einer warum mir die Schweiz wohl immer suspekt bleiben wird.
Willst du denn auch folgerichtig Strafverschärfung, wenn das Opfer sinngemäß "Kopf ab" fordert?
Und den Presseberichten nach fällt es mir schwer, die Tat als etwas anderes als eine Vergewaltigung zu betrachten. Ich meine, hallo? Unter Drogen gesetzt und dann trotz Widerstandes Sex gehabt?
Hast Du für das mit den Drogen und Widerstand ne Quelle? Es könnte immerhin auch einvernehmlich gewesen sein, auch wenn es in ihrem Alter rechtswidrig war.
An dieser Stelle haben die USA ja gern mal was prinzipielles.
Übrigens: $hier verjährt sowas so schnell, daß die ganzen katholischen Priester nicht mehr verfolgt werden können, aber die o.g. Geschichte soll TROTZDEM das Opfer keine Verfolgung (mehr?) will, verfolgt werden? Haben die Gerichte nicht was aktuelleres zum tun?
Es erstaunt mich immer noch, daß du dem Opfer die Macht geben willst, eine Strafverfolgung einstellen zu lassen. Oder daß du lieber sähest, wenn "die Gerichte" statt Vergewaltigern lieber Müll-im-Wald-Entsorger oder Raser verfolgten.
Zur Tat selbst: Quelle wäre so ziemlich jede Presseberichterstattung. Dein Spiegelartikel ist insofern schlecht, als er auf das Thema kaum eingeht, da gehts schließlich primär um einen Film. Da hatte der Spiegel aber schon anders gelagerte Artikel.
Übrigens hat Polanski sich längst für schuldig bekannt (was genau er zugegeben hat ist unter http://www.thesmokinggun.com/archive/years/2009/0928091polanskiplea1.html nachzulesen) und ist vor dem Gefängnis ins Ausland geflohen. Es geht jetzt eigentlich darum, die Verurteilung (richtiger: die Strafabsprache) durchzusetzen.
Die damalige Aussage des Opfers ist unter http://www.thesmokinggun.com/archive/polanskib10.html nachzulesen.
An mindestens zwei Stellen hat sie -- laut ihrer Aussage, die stimmen kann oder nicht -- klar und deutlich "nein" gesagt.
Beispiel:
Yes. He goes, "Would you want me to go through in your back?"
And I went, "No."
Ihrer Aussage nach war ihr Widerstand relativ schwach (sie hat also nicht versucht, ihn gewaltsam abzuwehren), weil sie Angst gehabt habe, schließlich war sie mit ihm alleine und niemand war da, der hätte helfen können.
Aber wir haben auch in Deutschland die Phase des "Wenn sie es nicht gewollt hätte, dann hätte sie nicht nur nein sagen dürfen, sondern hätte ihn mindestens beißen müssen" vor ein paar Jahrzehnten überwunden.
Daß ich diese Betrachtungsweise mal einer Frau gegenüber verteidigen müßte, hätte ich nicht gedacht.
Ich sage außerdem noch: "Komplizierter wird's nicht mehr."
Ansonsten gibt's das Ganze auch noch mal in lang - http://bit.ly/3wIZ7E -, und ich glaube doch dass wir uns alle einige darin sind, dass Kate eine beängstigende Historie im Recht haben hat.