Kris Köhntopp greift aus aktuellem Anlaß das Thema Jugendschutz wieder auf. Ich möchte nicht, daß jemand denkt, ich hielte das Thema nicht für wichtig oder man könne auf Kinder und Jugendliche alles loslassen. Das genaue Gegenteil ist der Fall.
Aber: das Internet hat einfach grundlegend andere Eigenschaften als bisher bekannte Medien. Wo man sich damit in den Fuß schießt oder zumindest meine Thesen dazu:
Zuallererst: ähnlich wie andere Medien auch ist das Internet kein Kindernetz. Niemand käme auf die Idee, seinen Vorschulkindern aus der Zeitung vorzulesen oder Grundschulkinder Tagesschau sehen zu lassen, Die täglichen Nachrichten sind für mich an den meisten Tagen schon gruslig genug. Die Eltern sind also der redaktionelle Faktor.
Wie Kris auch schon ausführt, ist eine Altersfreigabe ähnlich wie bei Filmen bei Internetseiten, oder auch Sites, also Bündelungen von Internetseiten kaum möglich. Seiten ändern sich schneller als Filme. Welche Seiten ein Kind oder ein Jugendlicher besucht, liegt also wiederum in der Hand der Eltern bzw. der Lehrer, denn idR. gibt es in den Schulen heutzutage einen Internetzugang.
Es wird nun seitens unserer Poltiker allen ernstes überlegt, wie bei Fernsehausstrahlungen eine "Sendezeit" für potentiell jugendgefährdende Seiten festzulegen.
Wißt Ihr: selbst Katholiken dürfen seit einer Weile glauben, daß die Erde rund ist und sich um die Sonne dreht. Irgendwo auf diesem Planeten ist immer vor oder nach 22 Uhr. Ich sehe auch nicht, wie ein Gesetz, das sich nur auf Seiten, die in Deutschland lokalisiert sind, zu irgendetwas nütze sein soll. Andernfalls müsste man quasi das komplette Internet providerseitig sperren, um den Jugendschutz zu gewährleisten. Hier fragt man sich aber schon (Stichwort Gängelung wie in meinem Stuttgart-Artikel), wie weit man sich als erwachsener Internetnutzer eigentlich einschränken lassen soll.
Muß ich demnächst einen gerichtsfesten Altersnachweis erbringen, wenn ich tagsüber Pornos gucken will?
Außerdem sind Sendezeiten inzwischen eh Makulatur: Video- und Festplattenrecorder sind schon erfunden, Serien, die früher aus gutem Grund erst um 21:45 Uhr liefen, werden heute im Nachmittagsprogramm präsentiert, Filme vom Vorabend ebenso. Eine Sendezeitbeschränlung gibt es faktisch nicht mehr. Sie im Internet einführen zu wollen, wo sie schon im Fernsehen nicht funktioniert, ist also Blödsinn.
Was können wir also tun, um Kinder und Jugendliche zu schützen? Es scheint so einfach: sich kümmern und sie erziehen. Sie am Rechner, am Fernsehen, überhaupt mit den Medien nicht alleinlassen! Technische Lösungen haben noch nie soziale oder erzieherische Probleme gelöst. Klar scheinen Filterprogramme "einfach". Aber sie helfen nichts bei der Auseinandersetzung der Eltern UND Kinder mit dem Thema. In einer Zeit, wo man ohne Rechner und Internet nicht mehr auskommt, ist Medienkompetenz wichtiger denn je!
Was können wir IT-Profis hier tun? Eltern, die nicht so bewandert sind, so gut es geht unterstützen und unsere Hilfe anbieten.
Und: die Politiker aufklären. Ganz offensichtlich wissen die nämlich nicht, wovon sie reden.
Win-PC, Ego-Shooter und die ganzen Networking-Seiten sind Bausteine zum modernen, autistischen Kommunikationsproleten - die verblödeten Kids kriegen nix mehr alleine auf die Kette und werden zum tumben technischen Analphabeten:
Vor zwanzig Jahren wußten Schüler, was ein Computer ist und wie er rudimentär funktioniert. Die PC-sedierte Dumpfbacke von heute mit der umgekehrt aufgesetzten Baseballmütze denkt bei "Flipflop" an einen neuen Rap von "Bushido".
Das göttliche Zitat von Marc Haber bringt es auf den Punkt: "Ich denke, daß die Computerkenntnis der Gesellschaft über die letzten Jahrzehnte gleichgeblieben ist. Aber sie verteilt sich auf wesentlich mehr Leute."
Keiner käme auf die Idee, einen Telephonanschluß, der private Punkt-zu-Punkt - Verbindungen ermöglicht, mit "Jugendschutzmaßnahmen" zu belegen, das wäre im Gegenteil ein massiver, krimineller Angriff auf das Fernmeldegeheimnis, welches an prominenter Stelle im Grundgesetz verankert ist.
Ein PC oder auch ein Computer mit Internetzugang und Browser ist genau nix anderes.
Mein persönliches Credo: SCHULEN VOM NETZ ! Und wer dagegenhält, die Jugend bekomme dann keine "Medienkompetenz" vermittelt, der sei daran erinnert, daß die Schulen schließlich auch keine Führerscheinausbildung anbieten, obwohl diese Fertigkeit ebenfalls recht wichtig ist im Berufsleben.
Und einen anderen Aspekt muß man auch bedenken: es gibt Familien, die kein Geld für Rechner und Internet haben. Aber ohne ist eigentlich ein Berufseinstieg heute nur in sehr bestimmten Branchen möglich. Jugendlichen keinen Zugang zu wissen zu gewähren, treibt und noch weiter in die "haltet sie dumm"-Schiene rein, da sind unsere Politiker ja schon gut dabei.
Entweder in der Schule oder in der öffentlichen Bücherhalle muß es kostenfreie Zugänge geben. Aber halt: es gibt ja kaum noch öffentliche Bibliotheken, die sind ja auch so teuer!!!
Ganz ernsthaft: ohne Bücherhalle wär mir Zugang zu Wissen sehr versperrt gewesen. Das möchte ich für die Kids heute echt nich haben.
Mario Barth zum Beispiel, nach Harald Schmidt, Dieter Bohlen und Stefan Raab der bislang peinlichste Tiefpunkt auf der nach unten offenen Schmierigkeitsskala.
Medienkompetenz ?
Ich sach' nur Twitter, Facebook, Payback.
Und da lege ich noch "Word" oder den öligen Abklatsch "Openoffice" drauf.
Automatische Passwortspeicherung bei Firefox: STANDARD,
Microsoft und neuerdings auch T-Online fälschen jede DNS-Anfrage, die NXDOMAIN zurückgibt, indem sie eine eigene Adresse zurückgeben - und mit Sicherheit auch speichen. Bei MS macht die Brause (nicht abschaltbar), bei TO werden kriminell Daten verfälscht. Keiner regt sich drüber auf.
In Grünwald bei München bist Du "Asi", wenn Du kein Eifon hast, das sicherste Stigma einer nachgerade unterirdischer technischer Inkompetenz gepaart mit einer nicht mehr zu überbietender politischer Dummheit.
Medienkompetenz ?
Der kommunikative Jungprolet säuft willig den Kakao aus, durch den man ihn vorher hezogen hat.
Und was machen die Schulen ?
Distribuieren willig PC- und MS-Ware, warum verteilen sie nicht gkeich Crack ?
Und was die armen, armen Hartzer angeht:
Die haben die größten und teuersten Rechner, denn Papi muß seine HQ-Pornos gucken, Sohnemann seine Ballerspiele gamen und der Junior verkauft Raubkopieen auf dem Schulhof, um sein Taschengeld aufzubessern.
Guck dir den Abschaum an, der aus den geizgeilen Ramschtempeln herausquillt:
"DAS IST MEIN LADEN !!1!"