Wie einige von Euch wissen, lebe ich schon eine Weile in Stuttgart. Mein Mantra ist, daß man im Prinzip in Stuttgart schon recht angenehm leben kann, daß aber doch an erschreckend vielen Stellen die Provinz überdeutlich durchschimmert. Insbesondere ist meine These aber auch, daß alternative Kultur immer wieder erstickt wird: das kommunale Kino hat man schlicht und einfach hopsgehen lassen (uuuh, aber NEIN! Man hat "nur" die Budgetverhandlungen vom Sommer in dern Herbst verlegt und damit der Liquidität einen Todestoß versetzt, tschulljunk), das Theaterhaus am Pragsattel ist wirklich total schön, aber von Veranstaltungen und Publikum her eine GANZ andere Veranstaltung als das alte Theaterhaus in Wangen und der Gipfel war eigentlich die Räumung des letzten selbstverwalteten Jugendhauses in Degerloch durch das SEK.
Was macht die Stadt aktuell? Wieder nix gutes, wie ich leider lesen muß.
Wie im
LIFT in diesem Monat zu lesen ist, geht Stuttgart bei Großveranstaltungen in punkto Ausschanklizenz einen bundesweit sehr eigenen Sonderweg: es werden nämlich nur Genehmigungen für den Ausschank von Drinks mit Alkoholgehalt von maximal 5,5% erteilt. Man befürchtet offenbar, daß bei den Veranstaltungen nicht die Kultur im Vordergrund steht, sondern der Alkoholgenuß.
Lassen wir uns das mal auf der Zunge zergehen: erwachsene Menschen werden gegängelt, welchen Alkohol sie bei Musikveranstaltungen zu sich nehmen dürfen. Mal im Ernst: saufen kann ich woanders, ohne noch eine teure Eintrittskarte zu zahlen. Es geht hier auch nicht um Jugendschutz, für den muß man ohnehin und unabhängig von der "Tragweite" der Ausschanklizenz zu sorgen.
Danke liebe Stadt Stuttgart, daß Du SO für uns Dubbels sorgst. Wir sind ja zu blöd zu entscheiden auf welchen Drogen wir unsere Musik genießen wollen.
Ein weiteres Ärgernis ist natürlich der Kulturumschwung, der mit Stuttgart 21 einhergeht. Wie die
TAZ berichtet, wird die Stadt durch das dämliche und überteuerte Mammutprojekt nicht nur zur 10-Jahres-Baustelle, sondern diese Aktion würgt (wieder mal!) auch diverse Subkulturen ab, namentlich z.B. die
Röhre.
Wieder einmal beschleicht mich das Gefühl, daß alles, was nur ein bißchen alternativ und eben Subkultur ist, eingestampft wird um es woanders in "Hochglanz" wieder aufzubauen.
Danke liebe Stadt, die Konzerte und Disco-Veranstaltungen wie Stuttgart Schwarz braucht ja nun echt kein Mensch. Da weißt Du doch wieder viel besser, was ich brauche, gell?
Die Liste ist endlos. Als die Freilichtbühne am Killesberg endlich richtig als Veranstaltungsort lief, wurde sie quasi geschlossen. Die armen Bonzen auf dem Killesberg. Ehrlich: andere Städte lachen nicht ganz zu unrecht über Stuttgart.
Last not least: das immer wieder ärgerliche Tanzverbot an diversen katholischen Feiertagen, Wie eine Veranstaltung im LKA-Longhorn (Industriegebiet, abgelegen, an der Bundesstrasse, keine direkten Anwohner) einen Christen bei der Ausübung seiner Religion stört, wird mir wahrscheinlich noch lange ein Rätsel bleiben. Vielleicht sollten wir Metal zur Religion erheben, dann würde es einfacher. Logisch ist das alles jedenfalls in meinen Augen schon lange nicht mehr.